Öffentlichkeitsarbeit

  • Öffentlichkeitsarbeit im Frauennotruf
  • Ausbildungsgruppe für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen

Öffentlichkeitsarbeit im Frauennotruf

 

Vergewaltigung und sexueller Missbrauch sind keine Themen, denen man sich gerne zuwendet.
Im Gegenteil: Die meisten Menschen sind angesichts dieser „schlimmen Dinge“ schockiert, verunsichert und überfordert. Sie wollen nichts damit zu tun haben und gehen einer Auseinandersetzung lieber aus dem Weg, weil Angst und Hilflosigkeit zu groß sind.

Die Herausforderung für unsere Öffentlichkeitsarbeit liegt also darin, ein schweres Thema so aufzubereiten, dass es vermittelbar wird. Wir versuchen sexualisierte Gewalt in einer Weise zu benennen, die es den AdressatInnen ermöglicht, sich dafür zu öffnen.
Das Thematisieren in der Öffentlichkeit bedeutet jedes Mal von neuem einen Tabubruch, ein Aussprechen von Ungeheuerlichkeiten, die für viele schwer vorstellbar sind.

Vor diesem Hintergrund lassen sich weit verbreitete Reaktionen wie Abwehr, Widerstand, Unsicherheit, Angst, Bagatellisieren oder Aggressivität verstehen. Zudem schwingt hier die gesellschaftlich immer noch tief verankerte Abwertung von Frauen und Frauenthemen mit.

Nicht nur die Beratungsarbeit, auch die Öffentlichkeitsarbeit muss diesen Reaktionen Rechnung tragen, um das Ziel der Sensibilisierung und Bewusstseinsänderung zu erreichen. Frauennotrufe haben sich im Zuge der Frauenbewegung im Laufe der 80er Jahre gegründet.

Damals stand die Betroffenheit aller Frauen im Vordergrund. Die individuellen Schicksale wurden zusammengetragen. Gemeinsam analysierten und hinterfragten Frauen gesellschaftliche Machtverhältnisse, die die Benachteiligung von Frauen und Mädchen sowie sexualisierte Gewalt hervorbringen.

Sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen (später auch Jungen) wurde als Ausdruck männlich- patriarchaler Dominanzansprüche enttarnt. Dieser Erklärungsansatz ist nach wie vor gültig, auch wenn er sich in den letzten Jahren weiter ausdifferenziert hat.

Schnell wurde klar: Um Gewalt an Frauen langfristig entgegenzuwirken, müssen Veränderungsprozesse auf unterschiedlichen gesellschaftlichen und institutionellen Ebenen angestoßen werden. Die Unterstützung von weiblichen Gewaltopfern muss Hand in Hand gehen mit der Aufgabe, über Ausmaß, Ursachen und Auswirkungen von (sexualisierter) Gewalt zu informieren und für diese Thematik zu sensibilisieren.

Die Verzahnung der beiden Elemente "Unterstützung der betroffenen Frauen und Mädchen" sowie "Öffentlichkeitsarbeit und Prävention" macht unser Profil aus.

Ziele

 

Immer noch existieren eine Vielzahl von opferfeindlichen Mythen, wie z.B. „Frauen provozieren eine Vergewaltigung durch Kleidung (der berühmte Minirock!) oder durch ihr Verhalten“ oder „Wenn sie einen Mann beschuldigen, lügen sie und wollen sich nur an ihm rächen“ oder „Frauen wollen vergewaltigt werden, sonst würden sie sich wehren“ und viele mehr.

Eine vergewaltigte Frau kommt dabei in die paradoxe Situation, sich für etwas rechtfertigen zu müssen, wofür sie keine Verantwortung trägt.

Deshalb ist es ein primäres Ziel unserer Öffentlichkeitsarbeit, diese Vorurteile, die sich extrem negativ auf Betroffene auswirken, abzubauen.

Ein weiteres Anliegen ist es, Strukturen aufzuzeigen, die Gewalt an Frauen und Mädchen bedingen sowie für Gewaltopfer nachteilig sind.

Wir wirken – häufig im Verbund mit Notrufen auf Landes-/ Bundesebene oder mit anderen Einrichtungen für Frauen und Mädchen – auf Veränderungen dieser Strukturen hin. So sind einige der Gesetzesänderungen der letzten Jahre (1986 Opferschutzgesetz, 1998 Zeugenschutzgesetz, 2002 Gewaltschutzgesetz, 2004 Sexualstrafrecht) auch auf Initiativen der Frauenverbände zurückzuführen.

Mittlerweile sind Vernetzungsstrukturen etabliert, die eine Einflussnahme auf Entscheidungsprozesse landes- und bundesweit ermöglichen.

Letztlich zielen alle unsere Aktivitäten darauf ab, ein gesellschaftliches Klima herzustellen, in dem jegliche Form von sexualisierter Gewalt verurteilt, die Situation von gewaltbetroffenen Frauen ernst genommen und eine langfristige normative Veränderung herbeigeführt wird.

Ausbildungsgruppe für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen

 

Ziel der Gruppe ist es, langfristig in die vielfältige Arbeit der Beratungsstelle, (Prävention, Öffentlichkeitsarbeit, Beratungs- und Betreuungsarbeit ... ) einzusteigen.

Die Teilnehmerinnen erhalten eine fachlich fundierte Ausbildung, die sich in Wissensvermittlung und in Selbsterfahrungsanteile gliedert.

Diese Gruppe richtet sich an alle interessierten Frauen und an Multiplikatorinnen, die im Fachbereich Jugend, Familie etc. tätig sind.

Inhaltlich ist die Ausbildung in drei Themenbereiche unterteilt:

• Bewusstmachung der eigenen Kompetenz, Sensibilisierung für das Thema in der Reflektion mit der eigenen Geschichte

• Vermittlung rechtlicher Hintergründe

• Das Beratungsangebot in und um Speyer

Die Gruppe umfasst 12 Termine und beginnt mit einem unverbindlichen Informationsabend.

Bitte beachten Sie entsprechende Pressenotizen oder rufen Sie uns an.