Beratungsgrundsätze

Geschützte vertrauensvolle Atmosphäre:
Der Frauen und Mädchen Notruf Speyer ist ein Ort, wo die Frau über die erlebte Gewalt und/ oder die Auswirkungen sprechen kann, wo die ganze Tragweite ihrer Erfahrung gesehen und sie damit angenommen wird.


Der Frauennotruf ist ein geschützter Frauenraum. Die Mitarbeiterinnen stehen unter Schweigepflicht und die Frau kann, wenn sie möchte, anonym bleiben.


Parteilichkeit und feministischer Ansatz:
Wir sehen jegliche Form von Gewalt an Frauen im Kontext gesamtgesellschaftlicher Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse, die nach wie vor zwischen Männern und Frauen bestehen.


Wir möchten Frauen in ihren Kompetenzen, Zielen und Wünschen bestärken und zu einer positiven handlungsfähigen Identität ermutigen.
Parteilichkeit wird immer neu hergestellt, indem das Wissen darüber, wie gesellschaftliche Strukturen und Werte die Psyche prägen, verknüpft wird mit der Kenntnis der Lebensgeschichte und der Situation der jeweiligen Frau.


Parteilichkeit ist keine unkritische Parteinahme sondern verlangt eine solidarisch-kritische Distanz mit dem Ziel, die Handlungsfähigkeit und Selbstverantwortung der Frauen und Mädchen zu stärken. Dabei wird die Verantwortung für die Tat eindeutig dem Täter zugewiesen ohne die Betroffene auf eine Opfer-Identität zu reduzieren.

Berücksichtigung unterschiedlicher Lebenssituationen
Wir gehen auf spezifische Bedürfnisse ein und erarbeiten gemeinsam mit der Frau individuelle Perspektiven.


Würdigung, Wertschätzung und Akzeptanz

Unsere Beratung ist durch eine humanistische Grundhaltung geprägt. Da sich sexualisierte Gewalt bei jeder Frau anders auswirkt, orientieren wir uns an ihrem subjektiven Erleben.
Dabei sind Aufbau und Stärkung des Selbstwertgefühls der Frau zentrale Ziele unserer Arbeit.

Transparenz
Wir wollen die Frau dabei unterstützen, ihr persönliches Gefühl der Sicherheit und Kontrolle über das eigene Leben (zurück) zu gewinnen.
Dies fördern wir durch eine möglichst selbstbestimmte und transparente Gestaltung der Beratung.

Orientierung an den Ressourcen und Empowerment
Wir sehen die Frau nicht nur in der Opferrolle, sondern würdigen sie in ihrer Gesamtpersönlichkeit mit ihren Kompetenzen und Begabungen.
Dazu gehört auch, Überlebensstrategien und bisherige Lebenserfahrungen als Ressourcen wertzuschätzen.

Förderung unterstützender Beziehungen
Durch Gruppenangebote und die Einbeziehung von privaten und professionellen Bezugspersonen tragen wir dazu bei, die soziale Einbindung der oft isolierten Frauen zu fördern.

Sicherheit und Stabilität
Das Herstellen von Sicherheit und Stabilität hat oberste Priorität, denn erst sie schaffen die Grundlage für weitere beraterische und therapeutische Maßnahmen.