K. O. Tropfen

  • K.O.-Tropfen sind betäubende Mittel, die eine enthemmende Wirkung haben und je nach Dosierung Übelkeit und Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit verursachen. In der Regel sind die Substanzen farblos, geruchs- und geschmacksneutral. Manchmal fällt ein salziger oder seifiger Geschmack auf, der jedoch leicht durch starken Eigengeschmack des Getränks (z.B. Cocktails oder Fruchtsäfte) überdeckt werden kann.
  • K.O.-Tropfen werden von Tätern unbemerkt in ein Getränk oder Essen gegeben und gezielt eingesetzt, um Frauen oder Mädchen willenlos zu machen und sie dann z.B. zu vergewaltigen. Die Täter können Fremde sein, gehören aber auch oft zum persönlichen Umfeld des Mädchens oder der Frau.
  • Unter der Wirkung von K.O.-Tropfen wirken Frauen gedämpft, vielleicht leicht angetrunken.
    Sie sind scheinbar aktiv am Geschehen beteiligt, aber aufgrund der bewusstseinstrübenden Wirkung nicht in der Lage, selbstbestimmt einzugreifen.
    Hinterher spüren die Betroffenen, dass etwas geschehen ist, das sie nicht wollten, können sich jedoch an nichts Genaues erinnern. Sie sind stark verunsichert und haben das Gefühl, sich falsch verhalten zu haben oder fürchten den Vorwurf, betrunken gewesen zu sein.
  • Alkohol verstärkt die Wirkung der Droge! Es können lebensbedrohliche Zustände wie Atemstillstand und Koma auftreten.

    Wenn Sie den Verdacht haben, Opfer eines gewaltsamen Übergriffs geworden zu sein, ist dies eine sehr belastende Erfahrung. Holen Sie sich Rat und Hilfe! Der Notruf bietet Information und Beratung für Betroffene und Angehörige an – auch wenn eine Unsicherheit besteht, ob K.O.-Tropfen verabreicht wurden.

 

Außerdem ist es ratsam, sich ärztlich auf Verletzungen, Infektionen oder Spermaspuren untersuchen zu lassen. Um einen Nachweis über die Verabreichung einer Droge zu erhalten, ist ein sehr zeitnahes Handeln nötig.

 

Es sollten möglichst schnell Urin- und Blutproben genommen werden, da einige Substanzen nur kurz nachweisbar sind (bei Einsatz von z.B. GHB-Tropfen max. 8 Std. im Blut und max. 12 Std. im Urin).

Blutproben sollten möglichst tiefgekühlt werden.

(Privates Einfrieren von Proben wird als Beweismittel nicht anerkannt.) Eventuell kann eine Haarprobe zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Bestätigung ermöglichen.

Die Untersuchung kann auch durch die Hausärztin / den Hausarzt erfolgen.

Entnommene Proben sollten zur Abklärung an ein Gerichtsmedizinisches Institut geschickt werden. Dort können sie anonym gelagert werden.

 

Die Ärzte sind der Schweigepflicht unterworfen, d.h. dass damit noch keine Anzeige erfolgen muss.

Falls Sie dies möchten, kann dieser Schritt auch später noch erfolgen. Die Ergebnisse der Untersuchung sollten deshalb in jedem Fall gerichtsverwertbar dokumentiert und aufbewahrt werden.

 

Ärztinnen und Ärzte, die sich für den Umgang mit betroffenen Patientinnen und die gerichtsmedizinische Verwertbarkeit von Untersuchungen interessieren, können sich an folgende Institute wenden:

 

Institut für:


Rechtsmedizin Mainz: 06131 – 3 93 73 87

Rechtsmedizin Bonn: 0228 – 73 83 10 

Wie können sich Mädchen und Frauen schützen?

  • Besprechen Sie mit Freundinnen, aufeinander zu achten und im Notfall für einander da zu sein.
  • Verfolgen Sie genau, wie ihr Getränk zubereitet wird und lassen Sie das eigene Glas nicht unbeobachtet. Im Zweifel ein Glas stehen lassen.
  • Wenn Sie sich benommen oder schwindelig fühlen oder Ihnen übel wird, informieren Sie eine Freundin oder ggf. das Thekenpersonal.
  • Wenn Sie beobachten, dass jemand einer anderen Frau oder einem anderen Mädchen etwas ins Glas mischt, geben Sie ihr einen Hinweis!
  • Seien Sie sich bewusst, dass die Täter Fremde sein können, aber auch Bekannte, Nachbarn, Kollegen, Angehörige oder Freunde.
  • Verlassen Sie einen Ort, an dem Sie sich komisch oder nicht sicher fühlen. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl!
  • Wenn eine Frau oder ein Mädchen angetrunken wirkt, ohne entsprechend Alkohol zu sich genommen zu haben, wenn sie scheinbar „neben sich steht“, wenn ihr unerklärlicherweise übel wird, wenn jemand sie herausführen will, mit dem sie sonst nicht mitgehen würde etc., sollten FreundInnen, Bekannte oder Umstehende eingreifen und ggf. Hilfe holen.
  • Wenn Sie mit Freundinnen ausgehen, gehen Sie auch gemeinsam wieder nach Hause.
  • Im Zweifel immer ärztliche Hilfe holen, da im Falle einer Überdosierung oder in Wechselwirkung mit Alkohol ernsthafte Gesundheitsgefahr besteht.
  • Wenn Sie einen Filmriss haben und / oder blaue Flecken, Verletzungen o.ä., die Sie nicht einordnen können, vertrauen Sie sich jemandem an und wenden Sie sich an eine Beratungsstelle.

 

Die Wirkung von K.O.-Tropfen ist fatal:

 

sie schalten zuerst den Willen aus, bevor sie den Körper lahm legen. Nach der Einnahme von K.O.-Tropfen merken betroffene Frauen und Mädchen zumeist nur, dass ihnen übel oder schwindelig wird – so als hätten sie ausschließlich zu viel getrunken. Bereits vor dem Verlust des Bewusstseins machen die Tropfen willenlos und leicht manipulierbar.

Dennoch können betroffene Frauen und Mädchen dann noch eine Weile lang normal reden und sich bewegen, ohne dass es für Außenstehende ersichtlich wird, dass sie bereits einen `Blackout´ haben.

 

Diese Wirkungsweise erklärt, warum K.O.-Tropfen so häufig in öffentlichen Räumen verabreicht werden: Dem Täter bleibt Zeit, die betäubte Frau oder das Mädchen an einen anderen Ort zu führen. Die Opfer handeln, ohne ein Bewusstsein darüber zu haben und scheinen aktiv am Geschehen beteiligt, sind aber aufgrund der bewußtseinstrübenden Wirkung nicht in der Lage, selbstbestimmt einzugreifen und sich zu wehren.

 

Je nach Dosierung führen diese Drogen zu Wahrnehmungsverschiebungen, Sprachstörungen, Benommenheit und schlagartiger Bewusstlosigkeit. Aus dieser Bewusstlosigkeit wachen die Opfer oft abrupt wieder auf und können sich meist gar nicht oder nur sehr bruchstückhaft an die letzten zwei bis vier Stunden erinnern.

Es kann, vor allem in Verbindung mit Alkohol, zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Krämpfen, Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Atemnot bis hin zu schweren Atemstörungen kommen.


Außerdem können allergische Reaktionen auftreten.

 

Die Erinnerungslücken auszuhalten und mit der Ungewissheit und der Tatsache des eigenen totalen Kontrollverlusts zu leben, beschreiben betroffene Frauen und Mädchen als das schwerwiegenste Problem. Sie wachen an Orten auf, die sie nicht kennen oder wissen nicht, wie sie dorthin gelangt sind.
Viele Betroffene heben zunächst nur das vage Gefühl, dass etwas Seltsames geschehen ist oder sie spüren, dass es zu einem sexuellen Übergriff oder gar zu einer Vergewaltigung gekommen ist.

 

Nicht zu wissen, was geschehen ist und dies folglich auch nicht mitteilen zu können, hält viele Betroffene davon ab, sich Hilfe zu holen.

 

Aus Angst, dass ihnen niemand glaubt oder ihnen ein hoher Alkoholkonsum unterstellt wird, vertrauen sich die meisten Frauen und Mädchen niemandem an und scheuen demzufolge auch eine Anzeige.
Neben diesen Problemen treten häufig Scham, Schuldgefühle und Selbst-Vorwürfe auf, sowie Zweifel an der eigenen Glaubwürdigkeit, vor allem wenn sie aussagen, dass sie zum Teil mitbekommen haben, was vor sich ging, aber unfähig waren, Gegenwehr zu leisten. Diese Umstände und die kurze Zeitspanne der Nachweisbarkeit führen dazu, dass sich Täter sehr sicher fühlen und eine strafrechtliche Verfolgung kaum fürchten.

Sind den Opfern die Täter bekannt, behaupten diese nicht selten, die Frauen und Mädchen hätten es so gewollt und schließlich mitgemacht. Sie erpressen die Opfer damit, dass sie vorgeben, alles gefilmt zu haben und diese Aufnahmen an Freunde, Eltern etc. zu schicken oder ins Internet zu stellen.

 

Trotzdem sollten die Opfer sich nicht schämen, zur Polizei zu gehen.

 

Die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs begleiten und unterstützen die betroffenen Frauen und Mädchen auf Wunsch sowohl bei der Anzeigenerstattung wie auch im späteren Gerichtsprozess.

Wichtig für eine mögliche Anzeige ist es, möglichst umgehend Blut- und Urinproben sicherstellen zu lassen, da die Substanzen nur für wenige Stunden nachweisbar sind und gerichtsverwertbar asserviert werden müssen.

Dies kann von jeder Hausärztin / jedem Hausarzt, aber auch in den Ambulanzen aller Krankenhäuser erfolgen.

 

Bei allen Sexualverbrechen unter Einsatz von K.O.-Tropfen kann es trotz der gestörten Erinnerung der betroffenen Mädchen und Frauen zu einer Verurteilung des Täters kommen.

Alleine die Betäubung einer anderen Person an sich ist strafbar und die nachfolgenden Taten können gerade wegen des bewussten Einsatzes von Drogen durch das Gericht als schwerwiegender gewertet werden.