K.O.-Tropfen sind meist flüssige Drogen

 

Hinter sogenannten K.O.-Tropfen können sich unterschiedliche Substanzen verbergen.
Sehr häufig handelt es sich dabei um die Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB).

Die Wirkung von GHB ist dosisabhängig und individuell sehr verschieden. In geringen Dosen kann GHB entspannend und enthemmend wirken, indem die Aktivität des Gehirns und des zentralen Nervensystems verlangsamt wird.

Die etwa 10 - 20 Minuten nach Einnahme einsetzende Wirkung ist in Abhängigkeit von der körperlichen Konstitution und der Kombination mit anderen Drogen oder Alkohol unberechenbar.

GHB ist auch unter dem Namen `Liquid Ecstasy´, `soap´, `salty water´ und als `Partydroge´ bekannt.

Doch auch geringe Mengen können bereits Benommenheit, Übelkeit und Bewusstlosigkeit hervorrufen. Zudem setzt die Droge das Erinnerungsvermögen außer Kraft. Mittlere Dosierungen können zu plötzlichem narkotischen Schlaf mit möglicher anschließender Amnesie führen, aus dem die Betroffene kaum zu wecken ist.

Die Wirkung hält 3 bis 4 Stunden an. Hohe Dosierungen können tödlich sein (Koma und Atemstillstand). Es ist nicht neu, dass Drogen ganz gezielt eingesetzt werden, um Frauen und Mädchen zu vergewaltigen.

Eine erhöhte Gefährdung geht von GHB und ähnlichen Substanzen aus, die einerseits immer leichter zugänglich und andererseits sehr schwer nachweisbar sind. Diese meist flüssigen Substanzen, die nahezu geruchlos und auch geschmacklos sind, werden den Opfern heimlich in Getränken verabreicht.

Dies geschieht oftmals in Discotheken, Kneipen oder auf Partys. Darüber hinaus kann auch die eigene Wohnung zum Tatort werden. Die Täter können sowohl Fremde als auch Freunde, Partner oder andere Männer aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld sein.

Die Wirkung ist fatal: sie schalten zuerst den Willen aus, bevor sie den Körper lahm legen. Nach der Einnahme von K.O.-Tropfen merken betroffene Frauen und Mädchen zumeist nur, dass ihnen übel oder schwindelig wird – so als hätten sie ausschließlich zu viel getrunken.

Bereits vor dem Verlust des Bewusstseins machen die Tropfen willenlos und leicht manipulierbar. Dennoch können betroffene Frauen und Mädchen dann noch eine Weile lang normal reden und sich bewegen, ohne dass es für Außenstehende ersichtlich wird, dass sie bereits einen `Blackout´ haben.

Diese Wirkungsweise erklärt, warum K.O.-Tropfen so häufig in öffentlichen Räumen verabreicht werden: Dem Täter bleibt Zeit, die betäubte Frau oder das Mädchen an einen anderen Ort zu führen.

Die Opfer handeln, ohne ein Bewusstsein darüber zu haben und scheinen aktiv am Geschehen beteiligt, sind aber aufgrund der bewußtseinstrübenden Wirkung nicht in der Lage, selbstbestimmt einzugreifen und sich zu wehren.

Je nach Dosierung führen diese Drogen zu Wahrnehmungsverschiebungen, Sprachstörungen, Benommenheit und schlagartiger Bewusstlosigkeit.
Aus dieser Bewusstlosigkeit wachen die Opfer oft abrupt wieder auf und können sich meist gar nicht oder nur sehr bruchstückhaft an die letzten zwei bis vier Stunden erinnern.

Es kann, vor allem in Verbindung mit Alkohol, zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Krämpfen, Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Atemnot bis hin zu schweren Atemstörungen kommen.

Außerdem können allergische Reaktionen auftreten. Die Erinnerungslücken auszuhalten und mit der Ungewissheit und der Tatsache des eigenen totalen Kontrollverlusts zu leben, beschreiben betroffene Frauen und Mädchen als das schwerwiegenste Problem.
Sie wachen an Orten auf, die sie nicht kennen oder wissen nicht, wie sie dorthin gelangt sind. Viele Betroffene heben zunächst nur das vage Gefühl, dass etwas Seltsames geschehen ist oder sie spüren, dass es zu einem sexuellen Übergriff oder gar zu einer Vergewaltigung gekommen ist.

Nicht zu wissen, was geschehen ist und dies folglich auch nicht mitteilen zu können, hält viele Betroffene davon ab, sich Hilfe zu holen.

Aus Angst, dass ihnen niemand glaubt oder ihnen ein hoher Alkoholkonsum unterstellt wird, vertrauen sich die meisten Frauen und Mädchen niemandem an und scheuen demzufolge auch eine Anzeige.

Neben diesen Problemen treten häufig Scham, Schuldgefühle und Selbst-Vorwürfe auf, sowie Zweifel an der eigenen Glaubwürdigkeit, vor allem wenn sie aussagen, dass sie zum Teil mitbekommen haben, was vor sich ging, aber unfähig waren, Gegenwehr zu leisten.
Diese Umstände und die kurze Zeitspanne der Nachweisbarkeit führen dazu, dass sich Täter sehr sicher fühlen und eine strafrechtliche Verfolgung kaum fürchten. Sind den Opfern die Täter bekannt, behaupten diese nicht selten, die Frauen und Mädchen hätten es so gewollt und schließlich mitgemacht.

Sie erpressen die Opfer damit, dass sie vorgeben, alles gefilmt zu haben und diese Aufnahmen an Freunde, Eltern etc. zu schicken oder ins Internet zu stellen. Trotzdem sollten die Opfer sich nicht schämen, zur Polizei zu gehen.

Die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs begleiten und unterstützen die betroffenen Frauen und Mädchen auf Wunsch sowohl bei der Anzeigenerstattung wie auch im späteren Gerichtsprozess. Wichtig für eine mögliche Anzeige ist es, möglichst umgehend Blut- und Urinproben sicherstellen zu lassen, da die Substanzen nur für wenige Stunden nachweisbar sind und gerichtsverwertbar asserviert werden müssen.

Dies kann von jeder Hausärztin / jedem Hausarzt, aber auch in den Ambulanzen aller Krankenhäuser erfolgen.

Bei allen Sexualverbrechen unter Einsatz von K.O.-Tropfen kann es trotz der gestörten Erinnerung der betroffenen Mädchen und Frauen zu einer Verurteilung des Täters kommen.

Alleine die Betäubung einer anderen Person an sich ist strafbar und die nachfolgenden Taten können gerade wegen des bewussten Einsatzes von Drogen durch das Gericht als schwerwiegender gewertet werden.

 

 

Substanzen:

K.O.-Tropfen und andere sedierende Substanzen sind z.B. (rezeptpflichtige) Psychopharmaka, Narkotika und andere Präparate, die eine beruhigende, schlafanstoßende sowie muskelentspannende Wirkung haben.

Die Zahl der als K.O.-Tropfen eingesetzten sedierenden Substanzen aus dem Arzneimittelbereich ist recht umfangreich. Im wesentlichen werden als K.O.-Tropfen solche Substanzen genutzt, die eine unauffällige Beibringung ermöglichen, rasch wirken und eine psychovegetative und motorische Dämpfung mit nachfolgenden Erinnerungsstörungen für die Zeit ab der Einnahme erwirken.

Zum Beispiel:

Barbiturate Thiopental
Benzodiazepine
  • Diazepam
  • Bromazepam
  • Flunitrazepam …
Chloralhydrat  
Gammahydroxybutyrat (GHB)
  • u.a. Somsanit
  • i.v. - Narkotikum „Liquid Ecstasy“
Andere Arzneistoffe
  • Ketamine
  • Scopolamine
  • Antihistaminika
   
   

GHB-Dosen sind vor allem dann problematisch, wenn ein Mischkonsum mit Alkohol, atemdepressiv wirkenden Medikamenten oder Schlafmitteln vorliegt.

Dabei kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen, was durch die narkotisierende Eigenschaft der Droge zum Erstickungstod führt.
Außerdem können lebensbedrohliche Atemdepression und Herzrhythmusstörungen auftreten.

Wegen der übereinstimmend einschläfernden Wirkung wird der Zustand der Betroffenen von Sanitätern und Helfern oft falsch eingeschätzt.

Meist wird eine Überdosierung von Schlafmitteln vermutet und dementsprechend eine intensivmedizinische, symptomatische Behandlung vorgenommen.

GHB ist maximal 12 Stunden im Urin nachweisbar und wird im Körper innerhalb von 24 Stunden vollständig abgebaut.

GHB ist einem Botenstoff im menschlichen Gehirn chemisch ähnlich und wird auch in Stoffwechselprozessen gebildet – ist also in einer sehr geringen Konzentration ein körpereigener Stoff.

Eine geringe Ausscheidung über den Urin oder eine minimale Stoffkonzentration im Blut können auf diese natürlichen Stoffwechselwege zurückgeführt werden; dieser Umstand erschwert u. U. die Feststellung einer Verabreichung durch einen Täter.

 

Information für Ärztinnen und Ärzte

 

Gerichtsmedizinisch verwertbare Untersuchungen auf GHB sollten sich nicht nur auf Blut (mind. 2 mL – Blutprobe ohne Citratzusatz) beziehen, sondern je nach Intervall zwischen Beibringung von K.O.-Tropfen und Probenentnahme kann auch eine Untersuchung von Urin ( ca. 100 mL, mind. im Kühlschrank lagern oder einfrieren) oder ggf. von Haaren empfehlenswert sein.

 

Begibt sich eine Frau erst viele Stunden oder einige Tage nach der Beibringung der Tropfen zu einem Arzt, kann u. U. die Analyse einer Blut- und Urinprobe negativ sein, aber u. U. in einer vier Wochen nach der Tat sichergestellten Haarprobe ( 200 – 300 mg Haare, Haaransatz markieren) positiv ausfallen, da die beigebrachte Fremdsubstanz dann ins Haar „eingewachsen“ ist.“ (Information: Rechtsmedizin Bonn)

Ein in Kliniklaboren angebotenes Drogenscreening ist nicht geeignet, eine Intoxination mit K.O.-Mitteln auszuschließen, da zur sicheren Erfassung der möglichen Substanzen (speziell GHB) hochspezifische Analyseverfahren eingesetzt werden müssen.

Da nicht jedes Labor alle als K.O.-Mittel denkbaren Substanze, speziell GHB, nachweisen kann, ist es sinnvoll, das Material zum Beispiel nach telefonischer Kontaktaufnahme an ein Institut für Rechtsmedizin zu schicken.

Institut für Rechtsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität

Pulverturm 3
55 131 Mainz
Tel. 06131 – 39 37 387

Institut für Rechtmedizin der Universität Bonn

Stiftsplatz 12
53111 Bonn
Tel. 0228 - 73 83 10

 

Herstellung:

 

GHB kann mit wenig chemischem Fachwissen hergestellt werden.
Die Grundsubstanzen finden in der chemischen Industrie regelmäßig Verwendung und sind somit relativ leicht erhältlich.
Eine der Ausgangschemikalien der GHB ist das weltweit verwandte, industriell hergestellte Lösungsmittel Gamma-Butyrolacton (GBL).

Das besondere an GBL ist, dass es in seiner Reinform konsumiert werden kann und selbstständig im Körper zu GHB umgewandelt wird.

Da GBL den körpereigenen Muskelaufbau fördert, war seine Einnahme insbesondere in den 80er Jahren auch in Bodybuilderkreisen verbreitet. Beratung und traumatherapeutische Intervention Vergewaltigungen unter Betäubung verletzen die körperliche und seelische Unversehrtheit und das Sicherheitsgefühl der Betroffenen auf schwer wiegende Weise.

Von allen Deliktarten haben Opfer von Vergewaltigungen, schweren Körperverletzungen und Geiselnahmen das höchste Risiko psychisch traumatisiert zu werden.

Diese Erlebnisse haben Auswirkungen auf die Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Kommunikationsfähigkeit der Betroffenen, weil sie nicht logisch eingeordnet oder bewertet werden können. Immer, wenn ein traumatisches Ereignis intensive Angst und totale Hilflosigkeit auslöst, wird von der Wahrnehmung nur das herausgefiltert, was lebenswichtig erscheint.

Es wird im Gehirn zumeist in losgelösten Bildern und nicht in Worten registriert. Aber auch einzelne Gefühle oder körperliche Empfindungen, sowie Gerüche und Geräusche können gespeichert werden. Anders als in Alltagssituationen, wo das explizite Gedächtnis Ideen und Gedanken, Fakten und logische Operationen in sprachlicher Form einordnet, arbeitet bei Lebensbedrohung das implizite Notfallgedächtnis fragmentarisch und ungeordnet.

Der Fachbegriff hierfür ist peritraumatische Dissoziation. Hierdurch erinnern sich traumatisierte Menschen kaum sprachlich – sie können ihr Erleben buchstäblich nicht in Worte fassen.Sie haben oft keine genauen Erinnerungen über Zeitablauf, Ereignisfolge und Ereignisumfang.

Dissoziative Wahrnehmung und Erinnerung ähneln der Wahrnehmung unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln. „Erlebt“ das Opfer die Vergewaltigung unter Betäubung, kommt es fast immer zu einem „Blackout“, das Amnesien nach sich zieht.

Da in den letzten Jahren vermehrt die enge Beziehung von peritraumatischer Dissoziation und der späteren Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) belegt wurde, haben Vergewaltigungsopfer mit Betäubung ein besonderes Risiko zu erkranken.

Traumatisierte Menschen wechseln zwischen der Abspaltung und dem Wiedererleben der Gewalterfahrung („Flashbacks“). Sie leiden unter posttraumatischer Dissoziation.

Darüber hinaus gehen die Gewalterfahrungen mit einem totalen Kontrollverlust über das eigenständige Selbst einher. Um die Kontrolle wieder zu erlangen, suchen Opfer häufig im eigenen Verhalten nach Gründen für die Vergewaltigung. Dies führt zu Eigenschuld- und Schamgefühlen.

Forschungsergebnisse zeigen:
Je weniger nach einem traumatischen Ereignis den Betroffenen geholfen wurde, ihnen geglaubt wurde, je größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Symptome erhalten bleiben.

Hier ist nicht nur das soziale Bezugssystem gefragt, sondern auch Strafverfolgungsbehörden und Unterstützungseinrichtungen.

Darüber hinaus ist es wünschenswert, dass bei der Beratung und insbesondere bei der Befragung durch Strafverfolgungsbehörden auch an die Verabreichung von sedierenden Substanzen bei sexueller Gewalt an Frauen und Mädchen in Betracht gezogen werden.

Insbesondere wenn Symptome wie Amnesie, Blackout, Konzentrationsschwierigkeiten, Benommenheit und ähnliches geschildert werden, können Schlüsse auf eine unbemerkte Beibringung von K.O.-Tropfen gezogen werden.

Eine vorurteilsfreie Berücksichtigung dieser Möglichkeit ist dann wünschenswert.